Wir haben in den letzten Wochen viel über Eventfilm gesprochen. Jetzt ist es an der Zeit Nägel mit Köpfen zu machen. Ich möchte dir hier in möglichst kurzer Zeit alle Kleinigkeiten erklären, die dir die Produktion eines Eventfilmes leichter machen können. Dabei konzentriere ich mich auf das Equipment, das du vor Ort am Event mithast – oder mithaben solltest – und weniger auf die anderen Produktionsschritte. Also legen wir los:

An welches Stück Equipment denkst du zuerst, wenn du die Produktion eines Eventfilms planst? Der Überschrift zufolge wohl an die Kamera!

Ja, die Kamera ist das eine Stück Equipment, um das du wohl oder übel nicht herumkommen wirst. Um fast alles andere kannst du dich im Notfall irgendwie herumschummeln, aber nicht um die Kamera:

Vieles in diesem Bereich wird heutzutage mit DLSR-Kameras gedreht. Sie sind klein, leicht und bieten dir alle notwendigen Einstellungsmöglichkeiten. DSLRs erlauben es dir, deine Einstellungen manuell vorzunehmen, also die Blende zu verändern, den Fokus manuell zu stellen oder den ISO nach deinen Wünschen zu ändern. Mittlerweile gibt es auch echt viele gute Kameras im „Formformat“ DSLR – auch wenn sie mittlerweile spiegellose Kameras, Kompaktkameras oder Hybriden sind. Und der essentielle Unterschied zu beispielsweise einem Camcorder: Du kannst die Objektive deiner Wahl anschließen!

Dabei muss man aber erwähnen, dass DSLRs dafür eigentlich zweckentfremdet werden. Bis Nikon und Canon die ersten salonfähigen Spiegelreflexkameras mit Videofunktion auf den Markt gebracht hatten, war ein Eventfilm mit etwas anderem als einem Camcorder oder eben einer professionellen Filmkamera quasi undenkbar. Das ist aber auch einer der großen Nachteile der DSLR-Kameras: Videoaufnahmen waren eine lange Zeit nicht die erste Priorität bei Spiegelreflexkameras. Bei den meisten Geräten ist daher die Datenrate der Filmaufnahme relativ niedrig, das heißt, dass schnelle Bewegungen sehr „blockig“ aussehen, um Speicherplatz und Hardwareleistung zu sparen. Das haben Sam und Niko von Corridor Digital sehr eindeutig gezeigt.

Aus den gleichen Gründen ist auch die Farbwiedergabe nicht optimal: Wenn du ein Video auf einer DSLR aufnimmst, wirst du schnell merken, dass du sehr wenig Details in den Schatten und Glanzlichtern hast und beispielsweise rote T-Shirts fast wie mit einem dicken Pinsel aufgemalen aussehen. Das hat sich zwar bei den neueren Kameramodellen gebessert, ist aber immer noch nicht optimal.

Das muss jetzt nicht heißen, dass man keine qualitativ hochwertigen Filme mit DSLR-Kameras drehen kann, es gibt einfach ein paar Hindernisse, die dir das Leben schwerer machen. Daher nutze ich für meine Eventfilme fast ausschließlich eine Sony FS5, eine Filmkamera, deren Hauptaufgabe es ist, schöne, klare und qualitativ hochwertige Videoaufnahmen zu machen. Der Preis ist zwar relativ hoch, macht sich aber für meine Arbeit gut bezahlt. Detailreiche Aufnahmen mit viel Information in den schattigen Bereichen des Bildes, eine gute Farbwiedergabe und eine höhere Datenrate machen während und nach des Drehs der Veranstaltung mein Leben um einiges leichter und geben mir mehr kreativen Freiraum.

Wenn du nicht gerade einen Camcorder oder eine Systemkamera mit fest verbautem Objektiv verwendest, wirst du dir die Frage nach dem richtigen Objektiv stellen müssen. Auch hier gibt es massive, qualitative Unterschiede. Im relativ günstigen Bereich stechen für mich zwei Canon-Objektive, die eigentlich für Fotografie gedacht sind, positiv hervor: Das klassische, kleine 50mm f1.8 und das ebenso niedliche 35mm f2. Ich selbst verwende am liebsten die Kombination von einem Sigma 18-35mm f1.8 für Gesamt- und Gruppenaufnahmen und ein auch recht günstiges Samyang 85mm f1.4 für Nahaufnahmen. Beide Objektive verwende ich nicht auf „offenster Blende“, also nicht auf f1.4. Ich blende ab auf f2.8 oder f4 um eine optimale Bildschärfe zu garantieren.

Warum ich „abblende“ und was dahinter steckt möchte ich in einem späteren Blogartikel näher beschreiben. Das – genauso wie die Diskussion über die Farbwiedergabe – sind recht technische Angelegenheiten, mit denen ich dich heute noch nicht ärgern möchte. ;-)

Nach der Kamera und den Objektiven wohl der nächst-wichtigste Punkt: Denn die Tonaufnahme kann dein Eventvideo entweder irrsinnig professionell wirken lassen oder die Qualität deines Eventfilms drastisch senken.

Zuallererst: Die Mikrofone auf oder in deiner Kamera sind nicht gerade die besten. Selten kommt da – besonders auf größere Entfernung – etwas Ordentliches raus. Deswegen habe ich schon in einem der ersten Eventfilm-Artikel den Tipp gegeben, den Ton direkt mit einem Aufnahmegerät wie meinem Zoom H5 von dem/der TontechnikerIn abzugreifen. Also in meinem Fall: Ein XLR-Kabel drangehängt und immer aufnehmen. Wenn du den richtigen Lautstärkepegel eingestellt hast, dürftest du danach wenig Probleme haben. ;-)

Aber ich bin natürlich auch „Run’n’Gun“ mit der Kamera unterwegs und filme die BesucherInnen der Veranstaltung bei Diskussionen, beim gemütlichen Plaudern und beim Fragen fragen. Damit ich dafür auch eine ordentliche Tonspur habe, klemme ich mir auf meine Kamera ein Richtmikrofon, in meinem Fall ein RODE NTG-2 über XLR. Wenn du mit einer Spiegelreflexkamera unterwegs bist, kann ich dir das RODE VideoMic Pro+ empfehlen, das funktioniert auch auf den „Kleinen“.

Überprüfe regelmäßig deinen Lautstärkepegel sowohl auf der Kamera als auch auf dem Aufnahmegerät bei dem/der TontechnikerIn. Nichts ist schlimmer und schwieriger, als im Nachhinein kaputten oder zu lauten Ton reparieren zu müssen.

Das Licht ist deine wichtigste Gestaltungsmöglichkeit für das Bild. Und die Unberechenbarste. Die Lichtsituation ist an jedem Veranstaltungsort unterschiedlich. Manchmal sind die Räume wundervoll mit großen Film- und Eventlichtern ausgestattet, manchmal glühen aber auch nur ein paar alte Neonröhren von der Decke. Dein Ziel wird es sein, aus jeder dieser möglichen Situationen das Beste zu machen.

Deshalb nehme ich „vorsichtshalber“ ein Set an LED-Panels mit, um im schlimmsten Fall meine Szenen selbst ausleuchten zu können. Sehr oft brauche ich für den fertigen Eventfilm auch ein paar Interviews, die ich dann mit den Panels „künstlich“ und kontrastreich beleuchte.

Wenn du keine künstlichen Lichtquellen – also alles andere als die Sonne – zur Verfügung hast, reicht manches Mal auch schon ein einfacher Reflektor, um der Szene wieder mehr Leben zu geben. Die sind außerdem klein, leicht und günstig. Dazu hat der Lichthersteller Aputure ein paar tolle Videos gemacht.

Aber wie ich beleuchte, warum ich beleuchte und was ich beleuchte ist schon wieder ein Thema für einen weiteren, sehr langen Blogartikel.

Zum

Und es gibt noch so viel mehr, an das man denken sollte, könnte, müsste, das ist dann aber alles sehr spezifisch zu deiner jeweiligen Situation. Ich hoffe, ich konnte dir einen kurzen Einblick in die drei Bereiche geben. In meinen Augen ist es sehr wichtig, dass man die Limitationen und Vorteile seiner Kamera kennt, dass man immer zusieht, dass man eine gute Tonspur bekommt und dass man die Lichtsituation im Hinterkopf behält.

Sollte dir noch etwas extrem Wichtiges fehlen oder solltest du Anmerkungen zu den Punkten oben haben, schreib es einfach in die Kommentare, ich freue mich sehr über jedes Feedback. :-)

Bis zum nächsten Mal,

Robert

Hinterlasse einen Kommentar:

Schließen
Close Panel