Wie in den letzten Wochen mehrmals erwähnt, kann eine schlechte Tonaufnahme die Wirkung deines Films im schlimmsten Fall komplett untergraben. Damit du weißt, wie du den „Worst Case“ umgehen kannst, möchte ich heute kurz und kompakt auf die technischen Grundsätze der Tonaufnahme eingehen. Das soll dir dabei helfen, deine Möglichkeiten abzuschätzen und das beste aus deiner jeweiligen Situation herauszuholen.

In diesem Artikel möchte ich nur auf die wenigen aber wichtigsten Arten von Mikrofonen eingehen, die man hauptsächlich während dem eigentlichen Dreh verwendet.

Damit du entscheiden kannst, welches Mikrofon das Beste für deinen Zweck ist, hilft es ungemein, zu wissen, was die technischen Unterschiede sind. Die sind nämlich ziemlich markant:

Ein Mikrofon hat grundsätzlich die Aufgabe, ein akustisches Signal – also die Schallwelle – in ein elektrisches Signal umzuwandeln. Und das nur, um es später wieder in ein akustisches Signal zurück zu wandeln, sobald es über Lautsprecher abgespielt wird. Es gibt einige, verschiedene Möglichkeiten, das zu bewerkstelligen, sei es über Groß- oder Kleinmembranmikrofone. Aber egal bei welcher Bauweise, ein jedes Mikrofon hat eine gewisse Charakteristik.

Was sind

Die meistverwendeten Mikrofon-Charakteristiken (eigene Zeichnung)

Vereinfacht gesagt heißt das, dass jedes Mikrofon aufgrund seiner Bauweise aus manchen Richtungen mehr und aus manchen Richtungen vielleicht weniger Ton aufnimmt. Es gibt theoretisch beinahe unendlich viele verschiedene Variationen, aber vier davon kommen mit Abstand am häufigsten vor.

Die Kugelcharakteristik - wie in deinem Smartphone (eigene Zeichnung)

 

Die Kugelcharakteristik ist die, die in den meisten Telefonen und Kameras intern verbaut ist. Bei diesen Mikrofonen ist es komplett egal, aus welcher Richtung – im dreidimensionalen Raum – die Schallwellen kommen, sie werden von allen Seiten gleich gut aufgenommen. Allerdings sind die internen Kameramikros für eher schlechte als rechte Qualität bekannt, das soll dich aber nicht davon abschrecken, die Kugelcharakteristik zu mögen. Es gibt nämlich auch großartige und praktische Variationen der Kugelcharakteristik. Und die findet man meistens in sogenannten Lavaliermikrofonen. Das sind die Mikrofone, die du direkt am Kragen deineR ProtagonistIn, InterviewpartnerIn oder anderen Personen anbringen kannst. Die Charakteristik eines Lavaliermikrofons ist viel kompakter, das heißt, das Mikrofon nimmt nur die Geräusche in seiner unmittelbaren Umgebung auf – im Gegensatz zu dem eingebauten Mikrofon in deinem Handy, das auch Geräusche aus weiter Entfernung registriert. Nur aufpassen: Geräusche von Gewand der ProtagonistInnen werden auch gern aufgenommen und können zu unerwünschtem Rascheln führen.

 

Die Nierencharakteristik (eigene Zeichnung)

 

Die Nierencharakteristik ist das, was du meistens im Fernsehen siehst: Das sind zum Beispiel die Handmikrofone der Fernsehmoderatoren. Sie nehmen hauptsächlich nur Geräusche aus der Richtung auf, in der das Mikrofon zeigt. Das ist besonders praktisch, um Umgebungsgeräusche herauszufiltern und eine klare Sprachaufnahmen von zum Beispiel InterviewpartnerInnen zu bekommen. Diese Mikrofone werden auch großteils bei narrativen Filmdrehs verwendet – und zwar oft auf einer sogenannten Boompole. Das ist heruntergebrochen ein Teleskopstab für dein Mikrofon, um möglichst nahe an die Action in deiner Szene zu kommen. ;-)

 

 

Die Achtercharakteristik (eigene Zeichnung)

 

Die Achtercharakteristik ist eine spezielle Mischform der beiden obigen – ein solches Mikrofon nimmt besonders stark Geräusche von links und rechts auf, unterdrückt aber welche von vorne und hinten. Dies wird öfters in Studios für Sprach- oder Instrument-Aufnahmen eingesetzt und sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Natürlich gibt es auch die verschiedensten Kombinationen und Mischungen aus diesen Charakteristiken für verschiedene Einsatzgebiete. Außerdem können sich die oben beschriebenen Bauarten von Modell zu Modell unterscheiden. Ein Richtmikrofon mit Nierencharakteristik kann zum Beispiel nur einen sehr knappen Bereich vor sich aufnehmen, wie etwa das Rode NTG-8 oder auch sehr viel von dem registrieren, was vor ihm passiert, wie zum Beispiel das Rode VideoMic.

Grundsätzlich solltest du deine Mikrofon-Auswahl danach richten, was für deine Situation am besten ist. Wie bekommst du das Mikrofon so nahe wie möglich an die Geräuschquelle? Soll das Mikrofon sichtbar sein oder nicht? Möchtest du Umgebungsgeräusche mit aufnehmen oder nicht? Auf Basis dieser Fragen sollte es recht leicht sein, das richtige Equipment zu finden. :-)

 

Zum

Endlich bin ich wieder „Back on Track“. Die letzten Wochen waren vollgestopft mit den verschiedensten Aufgaben und Herausforderungen. Aber ab jetzt herrscht wieder ein bisschen mehr Alltag und damit kann ich mich auch wieder verstärkt dem Blog widmen – und zum Beispiel Dinge wie Illustrationen ausprobieren. Trotzdem werde ich die Artikelserie über Ton erst etwas später fortführen, weil andere Themen gerade aktueller und relevanter sind. Also bleib gespannt, was die nächsten Wochen auf dich zukommt. :-)

Bis zum nächsten Mal,

Robert

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