Vor etwas über einer Woche ging das große Seminar der internationalen Vereinigung der MedizinstudentInnen, der IFMSA, zu Ende. Es nannte sich European Regional Meeting – kurz EuRegMe – und setzte zum ersten Mal auf einen Workshop zum Thema Marketing. Dort durfte ich mit zwei weiteren Trainern aus Slowenien und Indonesien sechs TeilnehmerInnen eine Woche lang begleiten und ihnen die Grundlagen von PR, Marketing näherbringen. Ein großes Thema war auch Film und Storytelling. Eine Angelegenheit, die mich darauf gebracht hat, diesen Blogartikel zu schreiben.

Wissen weitergeben?

Filme zu produzieren ist eine sehr reizende Sache und trotzdem oft einmal ein komplettes Mysterium. Normalerweise hilft das große, weite Internet bei Fragen weiter, aber besonders bei den organisatorischen und rechtlichen Hürden hört der Informationsfluss zum Thema Film schnell auf. Fragen, wie ich einen Dreh wirtschaftlich sinnvoll plane oder an welche Dinge ich beim organisieren von Drehtagen beachten sollte, kann man zwar auf die harte Tour lernen. Also mit „Trial and Error“. Muss man aber nicht; man erspart sich eine Menge Nerven – und oft auch Geld – wenn man solche Aufgaben einmal erklärt bekommt. In meinem Fall hat mir mein Studium an der FH des bfi Wien viel geholfen. Dort lernst du, Verbindungen herzustellen, wo du vorher nicht glaubst, dass welche existieren. Und mit der Zeit werde ich einige dieser Verbindungen auch hier im Blog näher erläutern.

Auf der anderen Seite steht das künstlerische Schaffen, der Punkt der Arbeit, auf den man sich wohl beim Start im Filmschaffen am ehesten freut. Und hier kann man sich sehr viel im Internet ansehen und durchlesen. Nahezu unendlich viel Information, aber wenig strukturiertes, auf den Punkt gebrachtes, von dem aus man direkt loslegen kann. Und genau das war das Ziel von meinem Part im Workshop von EuRegMe.

Nein, es ist nicht nur

In meinen ersten Monaten, in denen ich mich mit Filmproduktion beschäftigt habe, habe ich am meisten über die Technik recherchiert. Natürlich ist das wichtig, weil das quasi mein Handwerkszeug für meine Arbeit ist. Aber es ist eben nicht alles. Und es war ein langer Weg, bis ich begonnen habe, mich weniger auf die Technik, sondern mehr auf die Geschichte dahinter zu konzentrieren. Die passenden Geräte machen den Job natürlich leichter, aber ohne eine Story wirst du kein ordentliches Ergebnis bekommen.

Deshalb habe ich im Workshop weniger den Fokus auf die Technik gelegt – die Hintergründe kannst du mit etwas Hilfe in recht kurzer Zeit erlernen – sondern mehr auf das Storytelling. Wie erschaffe ich aus einer alltäglichen Situation eine ergreifende Geschichte? Wie kreiere ich aus der Arbeit von Menschen Spannung, wie fokussiere ich mich auf den Konflikt, der unweigerlich im Inneren vorgeht, wie präsentiere ich das?

Wir haben uns mit der Heroes Journey beschäftigt und sie auf die klassische Drei-Akt-Struktur heruntergebrochen. Wir haben uns mit verschiedenen Konflikttypen im Film auseinandergesetzt und sie auf unsere Situationen umgelegt. Wir haben Archetypen analysiert und versucht, reale Personen, Firmen und Marken dafür zu suchen. Und schlussendlich haben wir all das umgesetzt, Geschichten geschrieben, Konzepte verfasst, darüber geredet und sie – wie in einem Prozess – Stück für Stück verfeinert.

Was daraus ist

Bei den technischen Werkzeugen habe ich mir nicht viel Zeit gelassen. Nur grundlegende Informationen über Kameratechnik, das Wichtigste über das Schnittprogramm und eine Barrage an Links zu weiterführenden Informationen. Ich habe versucht, das auf ein Minimum zu reduzieren und sie mehr über die Geschichte nachdenken zu lassen.

Und das hat sich ausgezahlt. Als es daran ging, ihren eigenen Film zu produzieren, haben die TeilnehmerInnen sehr wenig Zeit damit verbracht, die Geräte auszusuchen, sondern sind zuerst in der Gruppe gesessen und haben für einige Zeit ein ausführliches Konzept geschrieben. Etwas geplant, wohin die Reise gehen soll. Die Konflikttypen auf die Spitze getrieben. Und erst dann überlegt, wie man das überhaupt umsetzen kann. Und sie haben einen einfachen Weg dafür gefunden.

Natürlich war es stressig, natürlich wurde die Zeit gegen Ende etwas knapp und die TeilnehmerInnen sind durch das Seminardorf gewuselt um ihre letzten Filmaufnahmen in den Kasten zu bekommen. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Sie haben eine Geschichte erzählt. Und auf das bin ich stolz.

Die Fortbildung der

Eine wichtige Sache habe ich daraus gelernt:

Zeig‘ ihnen das, was sie sich nicht selbst zu zeigen trauen.

Wir haben das Seminar auf das Video von Casey Neistat aufgebaut: „Do What You Can’t“. Das soll als Metapher dafür gelten, dass man sich ruhig trauen kann, die Dinge zu tun, die man sich selbst nicht zutraut. Ich habe gelernt, dass es nur einen Ruck braucht, nur ein wenig Unterstützung, um interessierte Leute dazu zu bringen, selbst aktiv zu werden und Großartiges zu leisten. Ich habe auch gelernt, dass mein Fokus weiter auf dem Storytelling bleiben sollte. Dann macht es den Leuten viel mehr Spaß, einfach zu probieren, Grenzen kennenzulernen und zu durchbrechen. Und so will ich es auf jeden Fall weitermachen und gestalten.

Jetzt liegt es an mir, diese Motivation und diesen Gedankengang für meine kommenden Projekte mitzunehmen und selbst umzusetzen. Das Seminar war zwar eine Menge Aufwand, viel Stress und voller unvorhergesehener Problemchen, aber extrem hilfreich für meine eigene Arbeit. Es hat mir wieder einmal bewiesen, dass die Filmproduktion keine Fähigkeit ist, die unter Verschluss gehalten werden sollte, sondern davon lebt, dass neue Menschen dazukommen, lernen und einfach probieren, um einzigartige Filme zu schaffen.

Bis zum nächsten Mal,

Robert

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