Das Internet ist ein faszinierender Ort. Eine schier unvorstellbare Zahl an Menschen (und Katzen) produzieren täglich eine irrsinnige Menge an Content. Wenn du jemals Inspiration für ein Projekt gebraucht hast und nach ähnlichen Werken und Ideen gesucht hast, bin ich der festen Überzeugung, dass du auch fündig geworden bist. Allein das würde ja schon fast beweisen, dass man nichts wirklich Neues filmen, schneiden, komponieren, … machen kann. Denn wenn es alles, nach was du suchen könntest, schon irgendwo existiert, ist alles Neue, was du schaffst, genau so schon irgendwo zu finden. So wie es schon Artikel über genau dieses Thema überall gibt.

Aber in meinen Augen geht das Problem noch um einiges tiefer.

Inspiration

Wenn ich ein neues Projekt starte, ist mein erster Weg normalerweise der zu Google, um nachzusehen, was es in diese Richtung schon gibt. Dort hole ich mir Inspiration für meine bevorstehende Arbeit. Wenn ich etwas komplett Neuartiges – technisch oder thematisch – machen möchte, befrage ich Leute, die sich in dem Gebiet schon auskennen. Ich möchte mehr darüber erfahren. Das ist ja auch ganz normal und gut so. Komplett planlos in ein Projekt zu gehen, hat noch selten hingehauen.

Inspiration ist in meinen Augen notwendig, um ein umfassendes, spannendes und neuartiges Projekt fertigstellen zu können. Nur mit dem Wissen darüber, was schon geschaffen wurde, kannst du dein Projekt weiterentwickeln und die Grenzen von allem vorangegangenen sprengen.

Doch genau diese Inspiration kann dir auch zum Verhängnis werden, wenn du mal ein bisschen zu faul bist. Es gibt weit mehr als ein Beispiel für berühmte Persönlichkeiten, die geradeaus andere kopiert haben. Wie immer gilt also: Alles mit Maß und Ziel.

Kryptomnesie

Wesentlich gefährlichere Versionen der Inspiration sind Fälle von Kryptomnesie. Jamie Windsor bearbeitet das Thema auf eine sehr spannende und persönliche Art und Weise, aber heruntergebrochen ist Kryptomnesie ein Déjà-Vu. Nur, dass die Erinnerung real ist. Und du das nicht weißt.

Sagen wir, du hast dir vor Ewigkeiten einen Kurzfilm auf YouTube angesehen, ihn aber mittlerweile schon längst wieder vergessen. Plötzlich kommt dir eine grandiose Idee für deinen eigenen, neuen Imagefilm. Die Szenen fließen geradezu von deinen Fingern auf ein paar Stücke Papier, die bald überzugehen drohen. Es geht so leicht, die Geschichte festzuschreiben, als würdest du durch ein warmes Stück Butter schneiden.

Spätestens hier sollten deine Alarmglocken klingeln.

Nehmen wir an, du hast den Film fertig produziert und veröffentlicht. Die Leute sind begeistert, doch plötzlich erhälst du eine Nachricht von einer Freundin, die dir einen Link schickt – wie dieser Film dem deinen ähnelt.

Und plötzlich fällt es dir wie Schuppen von den Augen. Das, was einst so leicht zu schreiben war, ist nichts anderes, als eine unterbewusste Erinnerung an den Kurzfilm, den du gefühlt vor Äonen gesehen hast.

Das ist Kryptomnesie. Und sie kann dir sehr gefährlich werden. Aber welche Folgen das haben kann, erklärt dir Jamie im Video oben besser.

Das Blank-Canvas-Problem

So. Das genau Gegenteil ist aber nicht viel besser. Stell dir vor, du bekommst einen Auftrag für einen Kurzfilm. Unbegrenztes Budget. Keine Vorgaben für den Film. Mach‘ einfach irgendetwas. Was jetzt?

Auch wenn das oftmals der Traum vieler FilmemacherInnen ist, verfalle ich in einer solchen Situation vermutlich langsam aber sicher dem Wahnsinn. Stell dir vor, dir gibt jemand quasi einen Blanko-Scheck, um zu tun und zu lassen, was du willst. Aber natürlich soll es gut sein. Wenn du so eine Gelegenheit erhältst, wirst du aus den Vollen schöpfen wollen. Der Film sollte der Beste sein, den du jemals produziert hast. Du hast ja alle Mittel und Möglichkeiten. Da baut sich ein ordentlicher Druck auf.

Das ist Teil des Blank-Canvas-Problems. Wo beginnst du? Welches Genre, welchen Stil, welches Format wählst du? Die Chancen stehen gut, dass du genau bei diesen grundlegenden Fragen die meiste Zeit verplemperst.

Was kannst du also tun, um nicht in einer der beiden Extreme zu landen?

Mach’ es besser!

Jetzt lautet die Frage, wie man den soliden Mittelweg findet. Und Jamie, wie in dem Video oben, nennt schon einige gute Ideen.

Die Anregung, die mir am besten gefällt, ist, von einem bestehenden Werk auszugehen, sich davon inspirieren zu lassen, und es weiterzuentwickeln. Das Ziel sollte sein, das Werk genau nicht zu kopieren. Auch Tessa Violet spricht im Kontext der Musik davon.

Frage FreundInnen, KollegInnen, MitarbeiterInnen, was sie von deinem Projekt oder Werk halten. Vielleicht auch, ob sie es irgendwoher kennen. Mit anderen darüber zu sprechen kann einerseits dem ungewollten Plagiat entgegenwirken und andererseits dir ehrliches und wichtiges Feedback zu deiner Arbeit geben, denn auch die Betriebsblindheit kann dir manchmal reinpfuschen.

Zu guter Letzt: Betrachte dein Werk aus der Entfernung. Es ist wie mit den Proportionen bei einer Zeichnung – wenn du nicht regelmäßig das große Ganze überprüfst, kann es leicht passieren, dass die Beine deiner Figur plötzlich halb so lang wie der restliche Körper sind.

Wenn du dir bewusst bist, dass es dieses Blank-Canvas-Problem und diese Kryptomnesie gibt, ist schon viel getan. Du kannst diesen beiden Dingen mit dem reinen Wissen darüber schon effektiv entgegenwirken.

Und im Notfall sind Kreativmethoden ja auch noch ein Ding. ;-)

Bis zum nächsten Mal,

Robert

Dieser Beitrag hat einen Kommentar.

  1. Sehr interessanter Blog :o

    Könntest du auch einmal selbst über Kreativmethoden schreiben? Was sind deine Liebsten? ;)

    Freue mich schon auf den nächsten Blog :)

Hinterlasse einen Kommentar:

Schließen
Close Panel